1. Du kennst den E-Mobility-Markt seit Jahren. Viele Anbieter, viele Ansätze. Was hat dich ausgerechnet zu pi-System gebracht?

Nach mehreren Jahren im Markt und in der Verbandsarbeit wollte ich näher an die konkrete Umsetzung. Ich habe viele gute Ideen, Konzepte und Diskussionen gesehen. Mich hat aber zunehmend gereizt, diese Themen in Lösungen zu übersetzen, die bei Kunden im Alltag tatsächlich funktionieren.

pi-System hat mich überzeugt, weil E-Mobility hier nicht isoliert gedacht wird. Es geht nicht nur um Ladestationen oder einzelne Plattformfunktionen, sondern um das Zusammenspiel von Mobilität, Energie, Gebäuden, ZEV, PV, Abrechnung und Betrieb. Genau diese Vernetzung wird aus meiner Sicht immer wichtiger.

Ein weiterer Punkt war für mich die unternehmerische Kultur. Bei pi-System wird ausprobiert, umgesetzt und aus dem Markt gelernt.

2. Wo siehst du aktuell die grössten Herausforderungen im E-Mobility-Markt?

Der Markt ist stark gewachsen. Es gibt viele Anbieter, viele Ansätze und auch viele Versprechen. Die Herausforderung ist heute weniger, ob Elektromobilität grundsätzlich funktioniert. Entscheidend ist, ob Lösungen im Alltag, im Betrieb und in der Skalierung zuverlässig funktionieren.

Was ich oft sehe: E-Mobility wird noch zu stark aus Sicht der Menschen gedacht, die ohnehin bereits überzeugt sind. Für viele Kunden ist es aber kein emotionales Thema, sondern eine betriebliche, finanzielle und organisatorische Entscheidung. Gute Lösungen überzeugen deshalb nicht durch Argumente, sondern durch Nutzen im Alltag.

3. Was erwarten Kunden heute zu Recht von einer modernen E-Mobility-Lösung und was wird oft noch unterschätzt?

Kunden erwarten zu Recht, dass eine Lösung einfach funktioniert. Laden, Zuordnung, Abrechnung, Rückvergütung, Monitoring und Support dürfen nicht zu einem zusätzlichen administrativen Projekt werden.

Unterschätzt wird oft der Betrieb nach der Installation. Die eigentlichen Fragen kommen danach: Wer hat Zugriff? Wie werden Kosten verteilt? Wie erkennt man Störungen? Und wie wächst die Lösung mit, wenn neue Standorte, Fahrzeuge oder Nutzer dazukommen?

4. Viele starten mit der Installation von Ladestationen und glauben, das Thema sei damit gelöst. Warum greift das zu kurz?

Weil die Ladestation nur der sichtbare Teil der Lösung ist. Entscheidend ist das System dahinter. Wenn ein Unternehmen zehn Ladepunkte installiert, ist vieles noch überschaubar. Komplex wird es, wenn daraus hundert Ladepunkte werden, mehrere Standorte dazukommen oder private Ladepunkte von Mitarbeitenden eingebunden werden.

Dazu kommt das Thema Energie. Ladeinfrastruktur wird Teil des Energiesystems eines Gebäudes oder Areals. Deshalb müssen Lastmanagement, PV, Speicher, ZEV und Netzanschluss von Anfang an mitgedacht werden. 

Luc Tschumper
«Die Ladestation ist nur der sichtbare Teil der Lösung.»
Luc Tschumper, Productmanager pi-System GmbH

5. Woran merkt man im Alltag, ob eine E-Mobility-Lösung wirklich funktioniert?

Man merkt es vor allem daran, dass man sie nicht ständig merkt. Für Nutzerinnen und Nutzer bedeutet das: Sie können laden, ohne lange nachdenken zu müssen. Für Flottenverantwortliche bedeutet es: Sie haben Transparenz über Kosten, Verbrauch und Nutzung. Für das Unternehmen bedeutet es: Prozesse laufen stabil, Abrechnungen stimmen und Störungen werden früh erkannt.

Mein Ziel ist, dass Kunden die Umstellung auf Elektromobilität vor allem an den positiven Veränderungen merken: tiefere Betriebskosten, mehr Transparenz, ein modernes Fahrerlebnis und weniger manueller Aufwand. 

6. Wo siehst du den grössten Hebel, um mit unserer E-Mobility-Plattform echten Mehrwert für Kunden zu schaffen?

Der grösste Hebel liegt darin, die verschiedenen Teile zu einem durchgängigen Prozess zu verbinden. Laden, Überwachen, Berechtigungen, Abrechnung, Rückvergütung und Auswertungen müssen zusammenspielen.

Viele Lösungen bilden einzelne Teilbereiche gut ab. Echter Mehrwert entsteht aber dort, wo Kunden nicht mehr zwischen Systemen, Excel-Listen, manuellen Abklärungen und unterschiedlichen Zuständigkeiten vermitteln müssen.

7. Welche Rolle spielen Themen wie Skalierbarkeit, Integration und Energiemanagement für die Zukunft von E-Mobility-Lösungen?

Sie werden entscheidend sein. Die erste Phase der Elektromobilität war stark vom Aufbau der Infrastruktur bestimmt. Die nächste Phase wird stärker vom Betrieb, von Integration und intelligenter Steuerung geprägt sein.

Skalierbarkeit heisst für mich: Eine Lösung muss nicht nur im Pilotprojekt funktionieren, sondern auch dann, wenn sie wächst. Integration heisst: E-Mobility muss mit bestehenden Systemen zusammenspielen. Und Energiemanagement wird wichtig, weil Laden nicht losgelöst vom Stromsystem betrachtet werden kann. Dort, wo PV, Speicher, Wärmepumpen, ZEV und Ladeinfrastruktur intelligent zusammenspielen, entsteht technischer und wirtschaftlicher Mehrwert. Lösungen wie PV-Flex zeigen bereits heute, in welche Richtung sich der Markt entwickelt.

8. Woran arbeitest du aktuell bei pi-System und welche Themen willst du in den nächsten Monaten spürbar vorantreiben?

Ich treffe bei pi-System auf eine sehr starke Basis: viel technisches Know-how, funktionierende Systeme, eingespielte Abläufe und Menschen, die mit grossem Engagement Lösungen für unsere Kunden möglich machen.

Für mich geht es jetzt darum, vorhandenes Wissen noch stärker zu strukturieren, Prozesse weiter zu schärfen und unser Angebot so weiterzuentwickeln, dass wir mit zunehmender Nachfrage effizient skalieren können. Ein Schwerpunkt liegt dabei sicher auf unserer Plattform und den Prozessen rund um Flotten. Gerade bei Abrechnung, Rückvergütung, Transparenz und Betrieb gibt es viel Potenzial, den Alltag unserer Kunden spürbar zu vereinfachen.

9. Auf den Punkt gebracht: Was unterscheidet eine gute von einer wirklich starken E-Mobility-Lösung?

Eine gute E-Mobility-Lösung ermöglicht Laden. Eine wirklich starke Lösung macht Elektromobilität einfach, wirtschaftlich und skalierbar. Sie funktioniert nicht nur technisch, sondern auch organisatorisch. Sie denkt nicht nur an den Ladepunkt, sondern an den gesamten Prozess. Und sie liefert den Kunden einen klaren Nutzen: tiefere Kosten, weniger Aufwand, mehr Transparenz und einen stabilen Betrieb.

Luc Tschumper
«Eine wirklich starke Lösung macht Elektromobilität einfach, wirtschaftlich und skalierbar.»
Luc Tschumper, Productmanager pi-System GmbH

Interview: Chantal Colle