Flotte elektrifizieren? Was es wirklich braucht.

Elektromobilität klingt einfach – bis sie im Alltag funktioniert. Denn wer eine Flotte elektrifiziert, steht plötzlich vor neuen Fragen: Wo wird geladen? Wie wird abgerechnet? Und wie lässt sich das Ganze skalieren? Mit eFleet hat die BKW gemeinsam mit pi-System eine Lösung entwickelt, die genau hier ansetzt. Wir haben mit Richard Oppliger, Head of Logistics & Fleet Services, darüber gesprochen, warum Elektromobilität mehr ist als nur ein Fahrzeugwechsel. Und was es braucht, damit sie im grossen Massstab funktioniert.

1. Herr Oppliger, viele Unternehmen sprechen über Elektromobilität. Was macht die Umsetzung in der Praxis so anspruchsvoll?

Die Beschaffung von Elektrofahrzeugen ist heute meist unkompliziert – die eigentliche Komplexität entsteht im Betrieb. Besonders das dezentrale Laden bringt neue organisatorische, steuerliche und arbeitsrechtliche Herausforderungen mit sich, etwa bei der Abrechnung von Stromkosten oder der Nutzung während der Arbeitszeit.

Auch die Akzeptanz bei Mitarbeitenden spielt eine wichtige Rolle, da Elektromobilität oft noch mit Unsicherheiten und Vorurteilen verbunden ist. Gleichzeitig ist der regulatorische Druck gestiegen, während lange passende Systemlösungen gefehlt haben. Genau hier setzt eFleet an und ermöglicht eine durchgängige, wachstumsfähige Lösung für Elektromobilität im grossen Massstab.

«Die Beschaffung von Elektrofahrzeugen ist heute meist unkompliziert – die eigentliche Komplexität entsteht im Betrieb.»
Richard Oppliger, Head of Logistics & Fleet Services, BKW

2. Was war der Auslöser, eFleet überhaupt zu entwickeln?

Elektromobilität verteilt sich auf drei zentrale Ladeorte: zu Hause, am Arbeitsplatz und unterwegs. Bestehende Marktlösungen decken meist nur Teilbereiche ab und erfüllen weder Integrations- noch Skalierungsanforderungen.

Für ein effektives Flottenmanagement sind durchgängige Systeme entscheidend, insbesondere für vollständige Datentransparenz, CO₂-Reporting, TCO-Analysen und Controlling. Auch die korrekte interne Kostenverrechnung über Standorte hinweg stellt eine zentrale Herausforderung dar. Da es keine passende Lösung gab, haben wir mit eFleet bewusst eine eigene, integrierte Plattform entwickelt.

 3. Was unterscheidet eFleet von klassischen Einzellösungen für Ladeinfrastruktur oder Abrechnung?

Klassische Ladelösungen fokussieren meist auf einzelne Funktionen wie die Bezahlung am Ladepunkt. Was fehlt, ist die Integration in ein übergeordnetes Flottenmanagement. Dadurch fehlen durchgängige Daten zu Energieverbrauch, CO₂-Reporting, TCO-Analysen und eine saubere Kostenstellenzuordnung. Gleichzeitig entsteht für Nutzer eine fragmentierte Erfahrung mit unterschiedlichen Apps, Ladekarten und Verträgen.

eFleet verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz: Die Plattform bündelt alle Ladeorte, Daten und Abrechnungsprozesse. Das reduziert Komplexität, schafft Transparenz und ermöglicht ein langfristig tragfähiges Flottenmanagement.

4. Die BKW will ihre Flotte bis 2030 vollständig elektrifizieren. Von welcher Grössenordnung sprechen wir? Und was bedeutet das für die Infrastruktur?

Wir sprechen von rund 4’200 Fahrzeugen in der gesamten Gruppe. Damit verbunden ist die Elektrifizierung von über 200 Standorten mit einem gezielten Mix aus AC- und DC-Ladeinfrastruktur. Neben der Hardware sind vor allem Standortanalysen, Netzanschlüsse, Lastmanagement sowie Planung und Engineering erforderlich.

Insgesamt handelt es sich um ein mehrjähriges Infrastrukturprojekt im hohen Millionenbereich. Eine strategische und standardisierte Umsetzung ist dabei entscheidend, um langfristige Ineffizienzen und Folgekosten zu vermeiden.

5. Was sind aktuell die grössten Herausforderungen bei der Umsetzung, insbesondere bei einer grossen Flotte?

Zentrale Herausforderungen ergeben sich aus regulatorischen Vorgaben, insbesondere bei der steuerlichen Behandlung und Spesenabrechnung von Ladekosten, die noch nicht vollständig auf Elektromobilität ausgerichtet sind.

Hinzu kommen komplexe Immobilienstrukturen. Viele Liegenschaften verfügen bereits über Ladeinfrastruktur, die oft proprietär, nicht skalierbar oder wirtschaftlich ungünstig ist. Darüber hinaus bestehen häufig langfristige Contracting-Modelle, bei denen Drittanbieter die Kontrolle über Infrastruktur und Tarife haben. Dies kann die Energiekosten erhöhen und die Flexibilität einschränken.

Auch der Markt befindet sich noch in der Entwicklung: Standards, Schnittstellen und Prozesse sind vielerorts nicht etabliert, was die Umsetzung zusätzlich erschwert.

6. Wo erleben Nutzerinnen und Nutzer heute die grössten Hürden im Alltag – und was wird mit eFleet konkret einfacher?

Heute ist die Nutzung von Elektromobilität oft fragmentiert über verschiedene Anbieter, Apps und Ladekarten, was bei komplexeren Nutzungsszenarien schnell unübersichtlich wird. Gleichzeitig fehlt häufig die Transparenz über Fahrzeugdaten: Energieverbrauch, Kosten oder CO₂-Werte sind nicht zentral verfügbar – im Gegensatz zu klassischen Verbrennerflotten.

eFleet bündelt diese Prozesse in einer integrierten Plattform, reduziert Schnittstellen und stellt alle relevanten Daten zentral zur Verfügung. Dadurch wird sowohl das Flottenmanagement vereinfacht als auch der Umstieg für Mitarbeitende erleichtert.

«Elektromobilität ist kein Fahrzeugwechsel, sondern eine Transformation von Prozessen, Infrastruktur und Systemen.»
Richard Oppliger, Head of Logistics & Fleet Services, BKW

7. Was unterschätzen viele Unternehmen, wenn sie ihre Flotte elektrifizieren wollen?

Viele Unternehmen unterschätzen die Komplexität der Umstellung. Elektromobilität wird häufig als reiner Fahrzeugwechsel betrachtet. Tatsächlich handelt es sich jedoch um eine Transformation von Prozessen, Infrastruktur und Systemen. 

Wer zu spät investiert oder auf nicht skalierbare Lösungen setzt, riskiert später hohe Umstellungskosten. Steuerliche, rechtliche und administrative Aspekte werden dabei oft ebenso unterschätzt wie die Bedeutung einer sauberen Datenbasis.

8. Was würden Sie Unternehmen raten, die heute am Anfang stehen?

Wer heute startet, sollte von Anfang an ganzheitlich und zukunftsfähig denken. Einzelne Lösungen reichen nicht aus. Elektromobilität muss integriert geplant werden: von der Infrastruktur über Software bis hin zu Prozessen.

Ebenso wichtig sind eine frühzeitige Budgetierung und die Einbindung geeigneter Partner. Elektromobilität ist ein interdisziplinäres Transformationsprojekt. Wer von Beginn an auf eine saubere, integrierte Lösung setzt, reduziert langfristig Kosten und schafft die Grundlage für eine erfolgreiche Umsetzung.


Interview: Chantal Colle

Flottenmanagement eFleet

eFleet ermöglicht das intelligente Management von E-Mobility-Flotten – effizient, vernetzt und optimal abgestimmt auf Energie, Ladeinfrastruktur und Abrechnung.